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Arbeitseinsatz zur Erneuerung der Tribünenrückwand

Da freut sich der Abteilungsleiter. In einem von Daniel Schnölzer perfekt organisierten Arbeitseinsatz erneuerten 15 hoch motivierte Helfer aus Spielausschuss und den drei aktiven Mannschaften die Rückwand der Haupttribüne, reparierten den Ballfangzaun und brachten den Ballraum auf Vordermann. Das hat Spaß gemacht!

Erste Mannschaft: Ein Highlight

Am Ende spendete das Wolfskehler Publikum seinen Protagonisten einen begeisterten Schlussapplaus. Zu Recht, es hatte das Highlight der bisherigen Saison zu sehen bekommen. Und das war nicht selbstverständlich, schließlich trafen beim 5:0 (0:0) Erfolg des TSV 03 gegen den SV 07 Raunheim zwei Teams aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite die junge Truppe von Ingo Röder, die personell auf der letzten Rille lief und nur noch Auswechselspieler zur Verfügung hatte, die zuvor bereits große Teile des Spiels der zweiten Mannschaft ansolviert hatten. Auf der anderen Seite eine Mannschaft von höherklassig erfahrenen Akteuren um Kapitän Oalid Kadi, der in der vergangenen Saison immerhin noch auf 15 Einsätze in der Verbandsliga kam. Und natürlich die früheren Profis Oualid (FSV Frankfurt) und Youssef Mokhtari (u.a., 1. FC Köln und MSV Duisburg). Letztgenannter hat sogar 23 Länderspiele für Marokko absolviert. Die technisch versierten Gäste dominierten die erste Hälfte mit schönen Kombinationen und dynamischen Sololäufen, ohne aber so recht Torgefahr zu entwickeln. Auf der anderen Seite setzte der TSV immer wieder Nadelstiche und hatte durch Kai Riesle und Nils Peter gute Gelegenheiten. Die größte Chance aber bekam Raunheim unverhofft kurz vor der Pause. Nach einem Foul an Youssef Mokhtari scheiterte Kadi mit seinem Foulelfmeter am glänzend reagierenden Jonas Kursch. Und gleich nach dem Seitenwechsel tanzte Youssef Mokhtari durch die Wolfskehler Hintermannschaft, scheiterte aber erneut an Kursch. Stattdessen ging der TSV in Führung. Einen Freistoß Stefan Spenglers verlängerte die Raunheimer Hintermannschaft auf den Fuß von Tobias Keim und der ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen. Wenig später erlief Nils Peter einen zu kurzen Rückpass und erhöhte auf 2:0. Das zog den Gästen offensichtlich den Zahn, während der TSV nun richtig ins Rollen kam. Peter eroberte einen zweiten Ball, seine Hereingabe drückte Falco Eberling über die Torlinie. Dann veredelte Moritz Knoche einen feinen Spielzug mit präziser Hereingabe von Tobias Keim. Den Schlusspunkt unter eine vorzügliche Mannschaftsleistung setzte Nils Peter per Kopf nach Freistoß von Falko Müller.

Es spielten: Jonas Kursch, Falk Samstag, Falco Eberling, Falko Müller, Tobias Keim, Yannick Jung, Stefan Spengler (Fabian Dietz), Nils Peter, Moritz Knoche, Timo Epple (Tim Hammann), Kai Riesle.

Zweite Mannschaft: Sieg mit Wermutstropfen

Am Ende geriet der wichtige 5:2 (2:1) Erfolg der zweiten Mannschaft gegen den SV 07 Raunheim II zur Nebensache. Zehn Minuten vor dem Ende hatte sich der gerade eingewechselte Jan Wille bei seiner ersten Ballaktion einen Kreuzbandriss zugezogen und musste mit dem Krankenwagen abtransportiert werden - ausgerechnet Wille, einer derjenigen, die immer bereit sind, für ihre Farben das Trikot überzuwerfen oder bei Arbeitseinsätzen ihre Freizeit zu opfern. Er war einer von vier "Ehemaligen", die Trainer Orkun Erdinc kurzfristig für das Spiel engagiert hatte, um angesichts der grassierenden Personalnot eine spielfähige Mannschaft auf den Kunstrasen zu bekommen. Ein weiterer war der sportliche Leiter Christoph Schaffner, der kurz vor einer Nasenoperation den richtigen Riecher bewies und mit zwei tollen Freistoßtoren zum 1:0 und 5:2 maßgeblich zum Erfolg beitrug. Zwischenzeitlich hatten die Gäste ebenfalls per Freistoß zum 1:1 ausgeglichen, bevor Gerrit Jost per Distanzschuss den TSV erneut in Führung brachte. Nach der Pause konterte der TSV zunächst prächtig und erhöhte durch zwei Treffer von "Not-Neuner" Simon Funke auf 4:1. Das war noch nicht die Entscheidung, weil die Gäste durch einen Kopfball ihres gefühlt drei Meter großen Mittelstürmers auf 2:4 verkürzten und wenig später die Großchance zum Anschluss verpassten. Mit Schaffners zweitem Freistoß zum 5:2 war der Deckel dann drauf.

Es spielten: Richard Minich, Johann Czarnecki, Martin Czarnecki, Hicham Mejdoule, Simon Funke, Fabian Dietz, Falk Breunig, Gerrit Jost, Niko dos Sanstos, Tim Hammann, Christoph Schaffner, Christopher Metzger, Jan Wille und Kutschmarski.

Dritte Mannschaft: Sieg und Niederlage

Den ersten Auswärtssieg landete die dritte Mannschaft mit 4:1 (2:1) unerwartet deutlich beim Tabellenvierten SKG Erfelden II. Im ersten Durchgang hatte die SKG mächtige Probleme mit dem Wolfskehler Außen Luqman Maqsood, der das Team von Christian Ehlhardt mit 2:0 in Führung schoss. Nach dem Erfelder Anschlusstreffer sorgten Rafe Pal und Martin Barthelmes für die Entscheidung.

Stark ersatzgeschwächt musste man sich hingegen in einem spektakulären Spiel dem TSV Trebur II mit 6:9 (2:4) geschlagen geben. Dem TSV fehlten in dieser Partie einfach die Mittel gegen den Treburer Mittelstürmer, der sieben Mal erfolgreich war. Zwar ging Wolfskehlen durch Shafe Pal früh in Führung, geriet dann aber durch eklatante Abwehrschwächen mit 1:4 in Rückstand, bevor erneut Shafe Pal mit dem 2:4 kurz vor der Pause noch einmal für Hoffnung sorgte. Mit dem Treburer 5:2 gleich nach dem Seitenwechsel schien die Partie entschieden, doch erneut Shafe Pal und ein Treburer Eigenor ließen den TSV wieder herankommen. Zwar verschoss Shafe Pal dann einen Foulelfmeter, doch sein Bruder Rafe sorgte nicht nur für das 5:5, sondern nach einem erneuten Rückstand auch für das 6:6. Dann aber verließen die "Legenden" die Kräfte und nach dem 6:7 in der 79. Minute kassierten sie in der Nachspielzeit noch zwei weitere Treffer.

AH Wanderung 2018: Rennsteig!

Was sagen den geneigten Lesern die Ortsnamen Wutha, Mölmen, Petkus, Krätzersrasen oder gar Klein Berlinchen? Nichts? Nun, dann waren sie wohl noch nicht auf dem Rennsteig unterwegs. Die alten Herren des TSV 03 schlossen diese zweifellos nicht unwesentliche Wissenslücke bei ihrer achten Mehrtageswanderung über Fronleichnam ohne - ich greife vor - auch nur einen winzigen Anhaltspunkt von etwas zu entdecken, was man sich so unter "Klein Berlinchen" vorzustellen glaubt. Selbst die Bezeichnung Rennsteig muss man im Nachhinein als mindestens irreführend deklarieren, denn an hurtige Fortbewegung und schnelles Ankommen war bei den vom jungfräulichen Organisationsteam Sputti/Enfuchs ausbaldowerten Tagesetappen nicht zu denken. Das lag aber in erster Linie an der schwülheißen Witterung, der respekteinflößenden Topographie und nicht zuletzt der Getränkevielfalt bei der Bahnanreise, die jeder Bar der großen Schwester von Klein Berlinchen zur Ehre gereicht hätte. Selbst ein 5l-Partyfass hatte den Weg in einen der ansonsten nur mit dem Notwendigsten bestückten Rucksäcke gefunden. So ging es nach der Ankunft in Eisenach um die Mittagszeit zunächst nur schleppend hinauf, doch die Wartburg musste sein, von der hatte man schließlich schon etwas gehört. Müh-, weil bierselig war er, der Anstieg zum Weltkulturerbe, das einst von Jörg dem Springer als einfache Festung gegründet und zwischenzeitlich Martin Luther als Versteck und Ort der Inspiration gedient hatte. In nur elf Wochen übersetzte Luther das Neue Testament aus der altgriechischen Sprache in die deutsche. Das ist manchem Wolfskehler Wirt mit seiner Speisekarte in dreißig Jahren nicht gelungen. Möglicherweise genoss Luther zwischendurch auch mal die herrlichen Ausblicke aus über 400 Metern Höhe auf den Thüringer Wald, ganz sicher aber auch das eine oder andere Bier und wenigstens darin taten wir es ihm gleich. Bei Temperaturen deutlich über dreißig Grad wäre der eine oder andere sicher gerne noch etwas im lauschigen Biergarten sitzen geblieben und hätte dafür vielleicht auch eine Bibel-Übersetzung in Kauf genommen, doch man war schließlich nicht zum Spaß hier, sondern zum Wandern. Die erste Tagesetappe zum Waldgasthof und Rennsteighotel "Hubertushaus" über prognostizierte 12 Kilometer zog uns schnell in ihren Bann, die Gespräche verstummten, wurden bald aber wieder lebhafter, als man feststellte, dass die Einkehrmöglichkeiten nie gekannte Ausmaße annahmen. Ja, so hatte man sich das auch in den vergangenen sieben Jahren vorgestellt, aber eben in den seltensten Fällen angetroffen. Alle ein bis zwei Kilometer eine Gelegenheit zum Verweilen und Abschalten von allzuviel Natur und Stille. Kleine Paradiese wie der "Rastplatz Hohe Sonne" und die "Rasthütte am Rennsteig" versorgten uns fortan zur rechten Zeit mit dem Nötigsten, bevor wir an unserem Tagesziel eintrafen. Dort fühlten wir uns sofort gut aufgehoben, die auf uns einprasselnde ruppige Rhetorik des Servicepersonals trieb so manchem die Tränen in die Augen, erinnerte sie doch stark an zahllose Abende in einem jüngst geschlossenen Erlebnislokal in heimischen Gefilden. Das leckere Essen ließ uns über die verbalen Entgleisungen der blonden Fee großzügig hinweghören. Der Spaß wurde nur kurzfristig durch den Radlerschock des Batwiesers getrübt, der ihn wie einst den Kletterer beim Dummschwätzer am Rheinsteig ereilte, worauf er sein Abendmahl der Allgemeinheit spendete. Doch als sich die Stimmung bei zwei mehr oder weniger spontanen Gesangseinlagen für Jubilar Paul dem Siedepunkt zuneigte, wurden wir per last Order kurz nach 22 Uhr in die spartanischen Betten komplimentiert. Zugegeben, das war auch gut so, denn im Morgengrauen lauerte die Königsetappe über 16km, 400 Höhenmeter und den großen Inselsberg. Große Hoffnungen für die nähere Zukunft hegte man nach Einnahme des Frühstücks noch nicht, doch was soll man sagen: "Woas en scheene Doag" wartete auf uns. Los ging es, als man nach kurzer Wegstrecke auf den heiligen Berg einer Wolfskehler Dynastie von Kirchendienern traf - den Glöckner am Rennsteig, ein herrlicher Aussichtspunkt. Klar, dass sich Manni dort verewigte. Nur wenig später folgte man einer spontanen Eingebung, kehrte in die "Waldschänke Dreiherrnstein" ein und fand Kreuzberger Klosterbier vom Fass! Diesem Idyll gab man sich bei guten Gesprächen und mehreren Steinkrügen fast zu lange hin, denn am Horizont drohte bereits der Große Inselsberg mit seinen mehr als 900 Metern Höhe. Laut Wikipedia der "höchste Berg der nordwestlichen Hälfte des Mittleren Thüringer Waldes" und "ein Quarzporphyr-Härtling, der aus den umliegenden weicheren Schichten herausgewittert ist". Alles klar? Jedenfalls zog sich die Etappe jetzt für die teilweise verwitterten Härtlinge aus dem mittleren hessischen Ried, warum auch immer. Oben angekommen lohnte die grandiose Rundumsicht alle Mühen und der nahezu dehydrierte Altfußballerr labte sich alsbald am unvermeidlichen Wernesgrüner. Man tat allerdings gut daran, nicht allzu lange zu verweilen und strebte wohl von einer Ahnung getrieben dem Tagesziel "Haus am Reitstein" (Kleiner Inselsberg) zu. Das erwies sich als vorausschauend, denn auch hier schloss die Küche bereits um 19 Uhr. Was bei der Ankunft bedeutete: Bestellen, kasernenähnliche Behausung aufsuchen, Katzenwäsche, Essen fassen, zwei Bier trinken, ein Kümmerling auf's Haus und sich auf der Straße wiederfinden. Gemütlich scheinen die nicht zu sein, die Thüringer, zumindest dort, wo wir sie angetroffen haben. Den Abend retteten wir mit einem überteuerten Kasten War(m)steiner, der ob seiner körpernahen Temperatur nicht einmal vollständig verzehrt wurde. Der abschließende Samstag brachte erneut Sonne und Wärme für (fast) ganz Deutschland und Nebel und Nieselregen für den kleinen Inselsberg und so reduzierte sich das Häuflein der Wanderer auf zwei durchnässte Gestalten, die der Rest mit dem Linienbus Nummer 42 auf dem Weg von Brotterode über Ruhla nach Eisenach wieder auflas. In Eisenach trennte man sich bester Laune bis zum nächsten Jahr, wenn Ober-Seemen droht. Während drei Kameraden zwecks Konzertbesuch zur großen Schwester von Klein Berlinchen weiterreisten, bekam der Rest auf seinem Heimweg nach Frankfurt von der Deutschen Bundesbahn noch einen kostenlosen Ausflug mit dem ICE über Messel und Darmstadt-Kranichstein spendiert, so dass man just in time zum Relegationsspiel wohlbehalten wieder in Wolfskehlen eintraf. Fazit: tolles Wetter, prima Einkehr und ein Team, das sich mittlerweile ohne viele Worte versteht!

Protokoll der Mitgliederversammlung der Abteilung Fußball

Für den tags zuvor bei einem Trainingsunfall verletzten Abteilungsleiter Horst Hammann führte in die-sem Jahr der sportliche Leiter Christoph Schaffner durch die Abteilungsversammlung. Nach Be-schluss des Ältestenrats mit Ehrenpräsident Manfred Gollenbeck und der insgesamt 33 Mitglieder wurde die Tagesordnung beschlossen. Schaffner berichtete anschließend über die gute Stimmung innerhalb der Abteilung, die Zufriedenheit mit der aktuellen sportlichen Situation und besonders mit dem Trainergespann Höllenriegel / Erdinc / Ehlhardt, deren Verträge man gerne zeitnah verlängern wolle. Bei den alten Herren ist laut Spartenleiter Mark Breitwieser derzeit ein Spielbetrieb mangels einer ausreichenden Anzahl spielwilliger Kicker nicht möglich. Trainiert wird aber weiterhin regelmäßig mittwochs mit der dritten Mannschaft, in der auch eine Reihe von Akteuren im Alte Herren-Alter re-gelmäßig spielen. Das von den Seniorenfußballern veranstaltete Schlachtfest, das unter sinkenden Einnahmen leidet, wird ebenso weiter durchgeführt wie das alljährliche Wanderwochenende. Jugend-leiter Michael Scholz war mit der Situation bei den Nachwuchskickern nicht vollends zufrieden, da es im vergangenen Jahr deutlich mehr Ab- als Zugänge gegeben habe. Problematisch werde es erneut, in der kommenden Saison eine eigene A-Jugend zu stellen. Hier wie bei den restlichen Langfeld-mannschaften werden Kooperationen mit Nachbarvereinen angestrebt. Außerdem fänden derzeit Gespräche unter allen Riedstädter Vereinen zum Thema Bildung eines Jugendfördervereins statt. Für den erkrankten Daniel Schnölzer berichtete Christoph Schaffner von einer Reihe von Arbeitseinsät-zen, die im Jahr 2017 absolviert wurden. Herausgehoben wurde der Abbau von Zäunen auf dem ehemaligen Gelände von Opel Rüsselsheim, die rund um den Kunstrasenplatz an der Sandkaute wie-der aufgebaut wurden. Außerdem wurden der Weg rund um das Hauptfeld neu geschottert, diverse Werbebanden ausgetauscht und eine Verkaufshütte für den Weihnachtsmarkt und eigene Veranstal-tungen gebaut. Das Engagement von Benjamin Adam (Zäune) und Alex Bergsträßer (Hütte) wurde dabei besonders hervorgehoben. Die Abteilung Fußball präsentierte sich erneut am Weihnachtsmarkt und war ebenfalls für die Bewirtung bei der Verabschiedung der Weihnachtsbäume verantwortlich. Obwohl beide Veranstaltungen nicht vom Wetter verwöhnt wurden, konnten jeweils zufriedenstellende Ergebnisse erzielt werden. Zum Abschluss der Berichte konnte Finanzchef Karlheinz Schnölzer von einem ausgeglichenen Haushalt berichten. Es konnte sogar noch Geld für die Generalreinigung des Kunstrasens im Jahr 2018 zurückgelegt werden. Zum Abschluss der Veranstaltung wünschte sich Christoph Schaffner ein größeres Engagement der Mitglieder bei den eigenen Veranstaltungen und wies darauf hin, dass die Abteilung auf der Suche nach einem dritten Platzkassierer sei. Interessenten könnten sich bei der Abteilungsleitung melden.

AH-Wanderung 2017: Bier und mehr in Bamberg

Nachdem in den vergangenen beiden Jahren das oft vergebliche Streben nach innerer Befeuchtung die Wanderungen der Altherrenfußballer dominierte und ein gewisser Hang zur Askese gefordert war, wollte man im Jahr 2017 einen neuen Selbstversuch mit geradezu konträrer Ausrichtung starten. Dazu hatte sich die im letzten Jahr unfreiwillig "Jako Brass" getaufte Wandergruppe Mittelfranken ausgesucht. Eine Gegend, deren Schönheit nicht nur in der reizvollen Landschaft, sondern auch in der hohen Brauereidichte liegt. Mal schauen, wie es um die Moral der Truppe steht, wenn die Verlockung stets in greifbarer Nähe ist, war die Devise. Verschärfend hatte man sich erstmals ein kleines Teufelchen als Mitreisenden gegönnt, das immer bereit war, ein Stück Weg für ein schnelles Helles zu opfern. Die Anreise nach Mittelfranken verlief so unspektakulär wie trocken, der brütend heiße Tag weckte in dem einen oder anderen wohl unschöne Erinnerungen an die Strapazen der Odenwaldhölle. Trotzdem wollte man sich in Bamberg vor der ersten Etappe noch eine Erfrischung gönnen, stieß aber bei Spezial-Bräu auf taube Ohren und reservierte Bänke, was - es war schließlich Fronleichnam - wohl auch mit der falschen Konfession zu tun hatte. Im gegenüberliegenden Fässla zeigte man sich aufgeschlossener und bald hatte man die erste Erfrischung zu sich genommen. Nun ging es mit dem Bus hinaus nach Memmelsdorf, wo das Fremdenverkehrsamt einen Marathon in doppeltem Sinne offerierte. Tour Nummer 20 bietet laut Prospekt "Idylle, Bier und Braukunst". Übersetzt bedeutet dies 13 (dreizehn) Brauereien auf 31 (einunddreißig) Kilometern. Logisch, dass diese Etappe nur in einer Ansiedlung namens Strullendorf enden kann. Dem gesunden Menschenverstand folgend verkürzte man die Tortur schon während der Planungsphase auf zwölf Kilometer und fünf Brauereien. Auf den ersten hundert Metern hinter der Bushaltestelle im Zentrum von Memmelsdorf lagen mit den "Drei Kronen" und "Höhn" gleich die beiden ersten attraktiven Angebote fränkischer Lebensart und die wenigen Besonnenen der Gruppe hatten angesichts der vom Himmel lachenden sieben Sonnen Mühe, Teufelchen und inneren Schweinhund daran vorbei zu lotsen. Schließlich war ja noch nichts geschafft, die Moral noch intakt. Das änderte sich auf den folgenden Kilometern durch blühende Felder bei gleißendem Licht und enormer Hitze. Die nächste Zapfstelle in Merkendorf wurde förmlich gestürmt und diese konnte - das Teufelchen lässt grüßen - natürlich nur "Wagner" heißen. Selbst der disziplinierteste Wandersmann musste zugeben, dass der dort vorgefundene Biergarten ein wahrhaft paradiesischer Ort ist und im Hinblick auf Ambiente, Angebot und Preisgestaltung keine Wünsche offen lässt. Der halbe Liter zu zwei Euro zehn - das war wie einst in Berlin bei der indischen "häbbi Auer ganse Nachd". Nur ungern löste man sich von diesem Idyll und dem am Nachmittag offerierten Kuchen- und Tortenbüfett, ließ von Seiten der Reiseleitung die zweite ortsansässige Brauerei "Höhn" besser unerwähnt und begab sich auf die zweite Schleife vorbei an Drosendorf. Dort passierte man eine Schankstube mit dem wenig einladenden Namen "Go(e)ller" und landete schließlich doch noch in den eingangs bereits erwähnten Etablissements in Memmelsdorf, wo die Zeit bis zur Rückfahrt des Busses erfolgreich überbrückt werden konnte. Schon jetzt hatte man an einem Nachmittag mehr unterschiedliche Biersorten gekostet, als je in der Zellerei angeboten wurden. Zwei weitere (St. Georgenbräu zum Abendessen im Kachelofen und Klosterbräu zum Abschluss) wurden es im Verlauf eines ruhigen Abends in der wunderschönen Bamberger Altstadt noch und zeitig zog man sich in die jeweils zu zweit zu belegenden Hotelzimmer zurück, die in einem durchschnittlichen Wolfskehler Bauernhaus ob ihrer Größe wohl kaum über den Status eines Wandschranks oder einer Speisekammer hinaus gekommen wären. 24.000 Schritte zeigte die Uhr vor dem Schlafengehen für diesen Tag, das war schon ganz ordentlich. Da ahnte allerdings noch niemand, dass es am nächsten Tag fast doppelt so viele, nämlich rund 46.000 Schritte werden sollten. Es hätte wohl auch Mord und Totschlag gegeben. So startete man frohen Mutes am frühen Freitagmorgen mit der Bahn nach Ebelsbach-Eltmann und enterte von dort die neunte Etappe des Steigerwald-Panoramawegs, die über 25 Kilometer zurück nach Bamberg führen sollte. Bei perfekten klimatischen Rahmenbedingungen kam man bis zur Mittagsrast in Roßstadt zügig voran und erfreute sich der tollen Aussicht hinunter in die Mainebene und auf die in der Ferne liegenden Türme von Kloster Michelsberg in Bamberg. Beim dem Mittagsmahl folgenden Aufstieg ließ man sich aber zu einem Schwenk auf den regionalen Pfad der Menschenrechte verleiten und hatte den Panoramaweg auf Nimmerwiedersehen verloren. Das hatte zur Folge, dass man bald wieder an Höhe einbüßte und ab Viereth zurück nach Bamberg in den Flussauen entlang von Main und Regnitz unterwegs war. Auch schön, aber deutlich weiter als geplant. Daran änderte auch ein ungefragt auskunftsfreudiger Passant nichts, der für die letzten sechs Kilometer "etliche Kilometer" Abkürzung verhieß, sollte man seiner Weisung folgen. Die verbalen Auszeichnungen, mit denen er am Ende der "Abkürzung" in Abwesenheit geehrt wurde, bleiben hier unerwähnt. Und weil am Abend noch einmal ein 1,5 km langer Fußmarsch zum Biergarten der Traditionsbrauerei Mahr anstand, hatte das Teufelchen am späten Freitag endgültig gewonnen. Mahr indes wurde seinem Ruf gerecht, bot leckeres Essen und ausgezeichnetes Bier. Am Samstag jedoch fanden sich nur noch drei Unentwegte bereit, die Tour der Bamberger Sehenswürdigkeiten via Rathaus und Michelsberg zur Altenburg mit ihren grandiosen Aussichten und weiteren 24.000 Schritten auf sich zu nehmen. Der Rest ließ den Ausflug nach den Strapazen des Vortags verständlicherweise locker ausklingen. Am Nachmittag traf man sich zum Essen im Biergarten Greifenklau, testete das unvergleichliche Schlenkerla und begab sich sich nach einem Abschlusstrunk dort wo alles begann (im Fässla) wieder auf die Heimreise. Unterwegs verdiente man sich quasi im Schlaf durch eine zweistündige Verspätung der Bahn die Hälfte der Fahrtkosten und kehrte wohlbehalten am späten Abend nach Wolfskehlen, Hanau und Günterfürst zurück.

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