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AH unterwegs: Auf dem Pfad der blauen Boa

Nach den kulinarisch exzellenten, menschlich aber eher robusten Erfahrungen des Vorjahres in Thüringen suchten die alten Herren im Jahr 2019 etwas mehr Heimatnähe und einen höheren Kuschelfaktor bei ihrer traditionellen Mehrtageswanderung. Das mit der Heimatnähe erwies sich als vorausschauend, denn wieder einmal torpedierten die aktiven Fußballer des TSV den vorgesehenen Ablauf mit einer unverhofften Relegationsteilnahme. Der geneigte Fußballfan konnte sich so den Prolog sparen und am Abend des ersten Tages binnen zwei Stunden nachreisen. Der Neckarsteig zwischen Neckargerach und Bad Wimpfen war das Ziel und wieder einmal hatte das bewährte Organisatorenteam aus Sputti und Enfuchs nichts unversucht gelassen, bislang zögerliche Altfußballler für das gemeinsame Projekt zu begeistern. Ob sie aber tatsächlich, wie kolportiert wurde, auch Einfluss auf das Wanderzeichen des Neckarsteigs – Insidern zufolge eine blaue Boa auf weißem Grund – nahmen, um auch den letzten Zögerlichen noch zu überzeugen, darf doch zumindest bezweifelt werden. Nun, schon die Anreise mit der Deutschen Bahn entlang des Neckars gestaltete sich mit vielen optischen Reizen spektakulär und die erste Etappe von Neckargerach nach Mosbach stand dem in nichts nach. 14 Kilometer und 450 Höhenmeter waren zu überwinden und das schien der routinierten Trekkinggruppe durchaus machbar. Die seit 1940 unter Naturschutz stehende Margarethenschlucht, deren Begehung nur bei guter Witterung empfohlen wird, brachte aber doch den einen oder anderen etwas unverhofft schon an seine Grenzen. Wunderschön war diese Strecke, aber halt auch brütend heiß die Witterung und was man im letzten Jahr an Einkehrmöglichkeiten zu viel hatte, hatte man dieses Jahr wieder zu wenig. So freute man sich über die Ankunft im lauschigen Mosbach, wo man eine vorzügliche proteinlastige Abendmahlzeit zu sich nahm, den per Bahn mit freudiger Botschaft eintreffenden Abteilungsleiter in Empfang nahm und zu später Stunde mit dem einheimischen Kreisligisten dessen Pokalsieg feierte. Tags darauf ging es zeitig los, denn an jenem Freitag wollten gleich zwei Tagesetappen bewältigt werden. Dabei erwies sich der erste Teilabschnitt wieder als ambitioniert und vor allem trocken. Besonders die steile Passage vom Bahnhof Haßmersheim hoch in Richtung Burg Hornberg verlangte der routinierten Truppe einiges ab. Wie gelegen kam da der mit herrlicher Aussicht lockende Biergarten der Festung, die einst Götz von Berlichingen bewohnt hatte und seit dem Mittelalter den in Wolfskehlen nicht unbekannten Herren von Gemmingen gehört. Doch plötzlich fühlte man sich wieder an den Rennsteig versetzt: mit dem harschen Verweis auf die erst eine Stunde später beginnende Öffnungszeit verweigerte der livrierte Dienstleister den Ausschank auch des Nötigsten. Von einem mit perfekter Blume gekrönten, wohl temperierten Durstlöscher garnicht zu sprechen. Dem Urahn der Burg muss es einst wohl ähnlich ergangen sein, denn prompt hatte der eine oder andere dürstende Wandersmann die von Berlichingen zugeschriebene unflätige Redensart auf den Lippen. Die aus dem angrenzenden Weinshop besorgten, aber nicht hinreichend temperierten Tropfen konnten das Mütchen der Zornigen nicht kühlen und so war man nach dem ungeplant zeitigen Aufbruch froh, zur Mittagsrast in Gundelsheim einzutreffen. Die dortige Kuhberg-Schänke erfüllte endlich die Erwartungen, die Männer zwischen fünfzig und sechzig nach einem entbehrungsreichen Tag so hegen: kalte Getränke in verschiedenen Varianten und üppige Mahlzeiten, hier zumeist in Form von Maultaschen dargereicht. Derart üppig gar, dass ein guter Teil der Truppe die nachmittägliche Etappe in Richtung Bad Wimpfen mit öffentlichen Verkehrsmitteln absolvierte. Das war auch in der Vergangenheit schon nicht unüblich, verschiebt sich mit fortschreitendem Alter aber scheinbar immer weiter nach vorne. Das wackere Häuflein der Aufrechten passierte per pedes Burg Guttenberg, musste aber aus zeitlichen Gründen auf eine Audienz beim ehemaligen Verteidigungsminister verzichten. Noch beeindruckender, als dessen nie zerstörte und seit 800 Jahren durchgehend bewohnte Heimstatt war freilich der große, im 16. Jahrhundert angelegte jüdische Friedhof bei Heinsheim. Besonders beklemmend, dass offensichtlich die letzten Gräber zu Beginn des zweiten Weltkriegs angelegt wurden – ein erschütterndes Zeugnis vom schwärzesten Kapitel Deutschlands und der Tatsache, dass nahezu alle Jüdinnen und Juden aus der Umgebung deportiert wurden. Das stille Mahnmal beeindruckte die Wanderer derart, dass minutenlang jedes Gespräch verstummte. Der letzte Teil der Etappe führte am Neckar entlang Richtung Bad Wimpfen und zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass alle Einkehrmöglichkeiten gut sichtbar, aber unerreichbar am anderen Ufer des Flusses lagen. Da half es auch wenig, dass bereits frühzeitig der Blaue Turm, das imposante Wahrzeichen des Tagesziels, sichtbar wurde. Als erste, weil nächste Einkehr musste stattdessen wenig traditionell eine Tankstelle am Eingang der ehemaligen Stauferstadt herhalten, die – obwohl 40 Kilometer jenseits der Grenze gelegen – zwischen 1803 und 1951 zu Hessen und dem Landkreis Heppenheim gehörte. Die Stauferstadt, nicht die Tankstelle. Flugs waren auch die kleinen, atmosphärischen Störungen behoben, die sich im Rahmen der fortschreitenden Dehydrierung fast zwangsläufig ergeben hatten. Harmonisch erklomm man durch das Untere Tor die imposante und sehr gepflegte Altstadt, traf dort auf die erstaunlicherweise auch erst kurz zuvor angekommenen Bahnreisenden und verbrachte einen wundervollen Abend bei Variationen von der Maultasche und perfekter Witterung im Biergarten der Gaststätte Dobel. Ausgeruht und bester Dinge spazierte man am nächsten Tag ins nahegelegene Bad Rappenau, sah sich dort noch ein wenig um und trat anschließend die Heimreise an.

AH Wanderung 2018: Rennsteig!

Was sagen den geneigten Lesern die Ortsnamen Wutha, Mölmen, Petkus, Krätzersrasen oder gar Klein Berlinchen? Nichts? Nun, dann waren sie wohl noch nicht auf dem Rennsteig unterwegs. Die alten Herren des TSV 03 schlossen diese zweifellos nicht unwesentliche Wissenslücke bei ihrer achten Mehrtageswanderung über Fronleichnam ohne - ich greife vor - auch nur einen winzigen Anhaltspunkt von etwas zu entdecken, was man sich so unter "Klein Berlinchen" vorzustellen glaubt. Selbst die Bezeichnung Rennsteig muss man im Nachhinein als mindestens irreführend deklarieren, denn an hurtige Fortbewegung und schnelles Ankommen war bei den vom jungfräulichen Organisationsteam Sputti/Enfuchs ausbaldowerten Tagesetappen nicht zu denken. Das lag aber in erster Linie an der schwülheißen Witterung, der respekteinflößenden Topographie und nicht zuletzt der Getränkevielfalt bei der Bahnanreise, die jeder Bar der großen Schwester von Klein Berlinchen zur Ehre gereicht hätte. Selbst ein 5l-Partyfass hatte den Weg in einen der ansonsten nur mit dem Notwendigsten bestückten Rucksäcke gefunden. So ging es nach der Ankunft in Eisenach um die Mittagszeit zunächst nur schleppend hinauf, doch die Wartburg musste sein, von der hatte man schließlich schon etwas gehört. Müh-, weil bierselig war er, der Anstieg zum Weltkulturerbe, das einst von Jörg dem Springer als einfache Festung gegründet und zwischenzeitlich Martin Luther als Versteck und Ort der Inspiration gedient hatte. In nur elf Wochen übersetzte Luther das Neue Testament aus der altgriechischen Sprache in die deutsche. Das ist manchem Wolfskehler Wirt mit seiner Speisekarte in dreißig Jahren nicht gelungen. Möglicherweise genoss Luther zwischendurch auch mal die herrlichen Ausblicke aus über 400 Metern Höhe auf den Thüringer Wald, ganz sicher aber auch das eine oder andere Bier und wenigstens darin taten wir es ihm gleich. Bei Temperaturen deutlich über dreißig Grad wäre der eine oder andere sicher gerne noch etwas im lauschigen Biergarten sitzen geblieben und hätte dafür vielleicht auch eine Bibel-Übersetzung in Kauf genommen, doch man war schließlich nicht zum Spaß hier, sondern zum Wandern. Die erste Tagesetappe zum Waldgasthof und Rennsteighotel "Hubertushaus" über prognostizierte 12 Kilometer zog uns schnell in ihren Bann, die Gespräche verstummten, wurden bald aber wieder lebhafter, als man feststellte, dass die Einkehrmöglichkeiten nie gekannte Ausmaße annahmen. Ja, so hatte man sich das auch in den vergangenen sieben Jahren vorgestellt, aber eben in den seltensten Fällen angetroffen. Alle ein bis zwei Kilometer eine Gelegenheit zum Verweilen und Abschalten von allzuviel Natur und Stille. Kleine Paradiese wie der "Rastplatz Hohe Sonne" und die "Rasthütte am Rennsteig" versorgten uns fortan zur rechten Zeit mit dem Nötigsten, bevor wir an unserem Tagesziel eintrafen. Dort fühlten wir uns sofort gut aufgehoben, die auf uns einprasselnde ruppige Rhetorik des Servicepersonals trieb so manchem die Tränen in die Augen, erinnerte sie doch stark an zahllose Abende in einem jüngst geschlossenen Erlebnislokal in heimischen Gefilden. Das leckere Essen ließ uns über die verbalen Entgleisungen der blonden Fee großzügig hinweghören. Der Spaß wurde nur kurzfristig durch den Radlerschock des Batwiesers getrübt, der ihn wie einst den Kletterer beim Dummschwätzer am Rheinsteig ereilte, worauf er sein Abendmahl der Allgemeinheit spendete. Doch als sich die Stimmung bei zwei mehr oder weniger spontanen Gesangseinlagen für Jubilar Paul dem Siedepunkt zuneigte, wurden wir per last Order kurz nach 22 Uhr in die spartanischen Betten komplimentiert. Zugegeben, das war auch gut so, denn im Morgengrauen lauerte die Königsetappe über 16km, 400 Höhenmeter und den großen Inselsberg. Große Hoffnungen für die nähere Zukunft hegte man nach Einnahme des Frühstücks noch nicht, doch was soll man sagen: "Woas en scheene Doag" wartete auf uns. Los ging es, als man nach kurzer Wegstrecke auf den heiligen Berg einer Wolfskehler Dynastie von Kirchendienern traf - den Glöckner am Rennsteig, ein herrlicher Aussichtspunkt. Klar, dass sich Manni dort verewigte. Nur wenig später folgte man einer spontanen Eingebung, kehrte in die "Waldschänke Dreiherrnstein" ein und fand Kreuzberger Klosterbier vom Fass! Diesem Idyll gab man sich bei guten Gesprächen und mehreren Steinkrügen fast zu lange hin, denn am Horizont drohte bereits der Große Inselsberg mit seinen mehr als 900 Metern Höhe. Laut Wikipedia der "höchste Berg der nordwestlichen Hälfte des Mittleren Thüringer Waldes" und "ein Quarzporphyr-Härtling, der aus den umliegenden weicheren Schichten herausgewittert ist". Alles klar? Jedenfalls zog sich die Etappe jetzt für die teilweise verwitterten Härtlinge aus dem mittleren hessischen Ried, warum auch immer. Oben angekommen lohnte die grandiose Rundumsicht alle Mühen und der nahezu dehydrierte Altfußballerr labte sich alsbald am unvermeidlichen Wernesgrüner. Man tat allerdings gut daran, nicht allzu lange zu verweilen und strebte wohl von einer Ahnung getrieben dem Tagesziel "Haus am Reitstein" (Kleiner Inselsberg) zu. Das erwies sich als vorausschauend, denn auch hier schloss die Küche bereits um 19 Uhr. Was bei der Ankunft bedeutete: Bestellen, kasernenähnliche Behausung aufsuchen, Katzenwäsche, Essen fassen, zwei Bier trinken, ein Kümmerling auf's Haus und sich auf der Straße wiederfinden. Gemütlich scheinen die nicht zu sein, die Thüringer, zumindest dort, wo wir sie angetroffen haben. Den Abend retteten wir mit einem überteuerten Kasten War(m)steiner, der ob seiner körpernahen Temperatur nicht einmal vollständig verzehrt wurde. Der abschließende Samstag brachte erneut Sonne und Wärme für (fast) ganz Deutschland und Nebel und Nieselregen für den kleinen Inselsberg und so reduzierte sich das Häuflein der Wanderer auf zwei durchnässte Gestalten, die der Rest mit dem Linienbus Nummer 42 auf dem Weg von Brotterode über Ruhla nach Eisenach wieder auflas. In Eisenach trennte man sich bester Laune bis zum nächsten Jahr, wenn Ober-Seemen droht. Während drei Kameraden zwecks Konzertbesuch zur großen Schwester von Klein Berlinchen weiterreisten, bekam der Rest auf seinem Heimweg nach Frankfurt von der Deutschen Bundesbahn noch einen kostenlosen Ausflug mit dem ICE über Messel und Darmstadt-Kranichstein spendiert, so dass man just in time zum Relegationsspiel wohlbehalten wieder in Wolfskehlen eintraf. Fazit: tolles Wetter, prima Einkehr und ein Team, das sich mittlerweile ohne viele Worte versteht!

2017: Bier und mehr in Bamberg

Nachdem in den vergangenen beiden Jahren das oft vergebliche Streben nach innerer Befeuchtung die Wanderungen der Altherrenfußballer dominierte und ein gewisser Hang zur Askese gefordert war, wollte man im Jahr 2017 einen neuen Selbstversuch mit geradezu konträrer Ausrichtung starten. Dazu hatte sich die im letzten Jahr unfreiwillig "Jako Brass" getaufte Wandergruppe Mittelfranken ausgesucht. Eine Gegend, deren Schönheit nicht nur in der reizvollen Landschaft, sondern auch in der hohen Brauereidichte liegt. Mal schauen, wie es um die Moral der Truppe steht, wenn die Verlockung stets in greifbarer Nähe ist, war die Devise. Verschärfend hatte man sich erstmals ein kleines Teufelchen als Mitreisenden gegönnt, das immer bereit war, ein Stück Weg für ein schnelles Helles zu opfern. Die Anreise nach Mittelfranken verlief so unspektakulär wie trocken, der brütend heiße Tag weckte in dem einen oder anderen wohl unschöne Erinnerungen an die Strapazen der Odenwaldhölle. Trotzdem wollte man sich in Bamberg vor der ersten Etappe noch eine Erfrischung gönnen, stieß aber bei Spezial-Bräu auf taube Ohren und reservierte Bänke, was - es war schließlich Fronleichnam - wohl auch mit der falschen Konfession zu tun hatte. Im gegenüberliegenden Fässla zeigte man sich aufgeschlossener und bald hatte man die erste Erfrischung zu sich genommen. Nun ging es mit dem Bus hinaus nach Memmelsdorf, wo das Fremdenverkehrsamt einen Marathon in doppeltem Sinne offerierte. Tour Nummer 20 bietet laut Prospekt "Idylle, Bier und Braukunst". Übersetzt bedeutet dies 13 (dreizehn) Brauereien auf 31 (einunddreißig) Kilometern. Logisch, dass diese Etappe nur in einer Ansiedlung namens Strullendorf enden kann. Dem gesunden Menschenverstand folgend verkürzte man die Tortur schon während der Planungsphase auf zwölf Kilometer und fünf Brauereien. Auf den ersten hundert Metern hinter der Bushaltestelle im Zentrum von Memmelsdorf lagen mit den "Drei Kronen" und "Höhn" gleich die beiden ersten attraktiven Angebote fränkischer Lebensart und die wenigen Besonnenen der Gruppe hatten angesichts der vom Himmel lachenden sieben Sonnen Mühe, Teufelchen und inneren Schweinhund daran vorbei zu lotsen. Schließlich war ja noch nichts geschafft, die Moral noch intakt. Das änderte sich auf den folgenden Kilometern durch blühende Felder bei gleißendem Licht und enormer Hitze. Die nächste Zapfstelle in Merkendorf wurde förmlich gestürmt und diese konnte - das Teufelchen lässt grüßen - natürlich nur "Wagner" heißen. Selbst der disziplinierteste Wandersmann musste zugeben, dass der dort vorgefundene Biergarten ein wahrhaft paradiesischer Ort ist und im Hinblick auf Ambiente, Angebot und Preisgestaltung keine Wünsche offen lässt. Der halbe Liter zu zwei Euro zehn - das war wie einst in Berlin bei der indischen "häbbi Auer ganse Nachd". Nur ungern löste man sich von diesem Idyll und dem am Nachmittag offerierten Kuchen- und Tortenbüfett, ließ von Seiten der Reiseleitung die zweite ortsansässige Brauerei "Höhn" besser unerwähnt und begab sich auf die zweite Schleife vorbei an Drosendorf. Dort passierte man eine Schankstube mit dem wenig einladenden Namen "Go(e)ller" und landete schließlich doch noch in den eingangs bereits erwähnten Etablissements in Memmelsdorf, wo die Zeit bis zur Rückfahrt des Busses erfolgreich überbrückt werden konnte. Schon jetzt hatte man an einem Nachmittag mehr unterschiedliche Biersorten gekostet, als je in der Zellerei angeboten wurden. Zwei weitere (St. Georgenbräu zum Abendessen im Kachelofen und Klosterbräu zum Abschluss) wurden es im Verlauf eines ruhigen Abends in der wunderschönen Bamberger Altstadt noch und zeitig zog man sich in die jeweils zu zweit zu belegenden Hotelzimmer zurück, die in einem durchschnittlichen Wolfskehler Bauernhaus ob ihrer Größe wohl kaum über den Status eines Wandschranks oder einer Speisekammer hinaus gekommen wären. 24.000 Schritte zeigte die Uhr vor dem Schlafengehen für diesen Tag, das war schon ganz ordentlich. Da ahnte allerdings noch niemand, dass es am nächsten Tag fast doppelt so viele, nämlich rund 46.000 Schritte werden sollten. Es hätte wohl auch Mord und Totschlag gegeben. So startete man frohen Mutes am frühen Freitagmorgen mit der Bahn nach Ebelsbach-Eltmann und enterte von dort die neunte Etappe des Steigerwald-Panoramawegs, die über 25 Kilometer zurück nach Bamberg führen sollte. Bei perfekten klimatischen Rahmenbedingungen kam man bis zur Mittagsrast in Roßstadt zügig voran und erfreute sich der tollen Aussicht hinunter in die Mainebene und auf die in der Ferne liegenden Türme von Kloster Michelsberg in Bamberg. Beim dem Mittagsmahl folgenden Aufstieg ließ man sich aber zu einem Schwenk auf den regionalen Pfad der Menschenrechte verleiten und hatte den Panoramaweg auf Nimmerwiedersehen verloren. Das hatte zur Folge, dass man bald wieder an Höhe einbüßte und ab Viereth zurück nach Bamberg in den Flussauen entlang von Main und Regnitz unterwegs war. Auch schön, aber deutlich weiter als geplant. Daran änderte auch ein ungefragt auskunftsfreudiger Passant nichts, der für die letzten sechs Kilometer "etliche Kilometer" Abkürzung verhieß, sollte man seiner Weisung folgen. Die verbalen Auszeichnungen, mit denen er am Ende der "Abkürzung" in Abwesenheit geehrt wurde, bleiben hier unerwähnt. Und weil am Abend noch einmal ein 1,5 km langer Fußmarsch zum Biergarten der Traditionsbrauerei Mahr anstand, hatte das Teufelchen am späten Freitag endgültig gewonnen. Mahr indes wurde seinem Ruf gerecht, bot leckeres Essen und ausgezeichnetes Bier. Am Samstag jedoch fanden sich nur noch drei Unentwegte bereit, die Tour der Bamberger Sehenswürdigkeiten via Rathaus und Michelsberg zur Altenburg mit ihren grandiosen Aussichten und weiteren 24.000 Schritten auf sich zu nehmen. Der Rest ließ den Ausflug nach den Strapazen des Vortags verständlicherweise locker ausklingen. Am Nachmittag traf man sich zum Essen im Biergarten Greifenklau, testete das unvergleichliche Schlenkerla und begab sich sich nach einem Abschlusstrunk dort wo alles begann (im Fässla) wieder auf die Heimreise. Unterwegs verdiente man sich quasi im Schlaf durch eine zweistündige Verspätung der Bahn die Hälfte der Fahrtkosten und kehrte wohlbehalten am späten Abend nach Wolfskehlen, Hanau und Günterfürst zurück.

2016: Auf den Spuren des Schinderhannes

 An der Wandergruppe der alten Herren nagt der Zahn der Zeit: von dem Dutzend Stammkräften, die die ersten vier Exkursionen erfolgreich absolviert hatten, musste in diesem Jahr exakt ein Viertel aufgrund der unterschiedlichsten Zipperlein passen. Dass man am Ende doch zu elft ankam, lag an zwei Kameraden, die es dann doch nicht alleine zuhause aushielten und überraschend nachreisten. 2016 begab man sich also auf die Spuren von Johannes Bückler, besser bekannt als Schinderhannes, in den Hunsrück. Expeditionsleiter Paul Bahl hatte als erstes Ziel den Hotelgasthof Schmausemühle auserkoren, der, idyllisch im Baybachtal gelegen, zum Frühstück lud und seinem Namen alle Ehre machte. Gestärkt startete man zur ersten Etappe Richtung Kastellaun, nahm das Passieren einer lebenden Blindschleiche zum Anlass, diese zum Wappentier der Delegation zu küren und hatte in der Baybachklamm gleich einen ordentlichen Aufstieg zu bewältigen. Durch nahezu unberührte Natur ging es vorbei an einer Reihe stillgelegter Mühlen durch dichte Laubwälder immer baym Bach entlang. Und gerade, als man die vorzügliche Beschilderung des Saar-Hunsrück-Steigs zu rühmen begann, fand man sich mitten auf einer Wiese im Nichts in der Nähe einiger Simmerner Rotbunten und die Schlacht der unterschiedlichsten Navigationssysteme begann wie einst in Michelstadt auf ein Neues. Irgendein Schelm hatte einen der Wegweiser um 180 Grad gedreht, doch man meisterte die Aufgabe mit viel Bravour, ein wenig Murren und lediglich zwei Kilometern Umweg. Das schrie förmlich nach einer Belohnung und die holte man sich im Hunsrücker Hexenhaus zu Mannebach ab.  Zweifellos auch kulinarisch ein erster Höhepunkt, dieser feine Biergarten, dessen selbstgebrautes Indian Pale Ale mit Maracuja-Aroma freilich nicht nach jedermanns Geschmack war. Zwei Stunden und die eine oder andere Runde vergingen wie im Flug und fortan waren die Schritte nicht mehr ganz so federleicht wie zu Beginn. Am späten Nachmittag traf man in der Schlummerkiste in Kastellaun ein, wo man das Nachtlager aufschlug. Nach dem unerlässlichen Aufladen des Flüssigkeitshaushalts im Biergarten „Altes Stadttor“ servierte uns ein Double Andrea Petkovics im Restaurant Adria diverse Köstlichkeiten, bevor der anstrengende Tag seinen Tribut forderte. Am folgenden Morgen ging es nach einem stilvollen Frühstück im örtlichen Rewe-Markt auf die Königsetappe. Kurz hinter Kastellaun war mit 465m bereits der höchste Gipfel der Tour erklommen und entschädigte das Wandervolk mit einem grandiosen Fernblick bis weit in die Eifel. Fortan eilte man über mehr als zehn Kilometer und mit leichtem Gepäck flugs voran, schließlich ging es fast ausschließlich bergab. Die einheitliche Wanderkleidung aus Trikots unserer aktiven Fußballer sorgte allenthalben für Aufsehen und der Aufdruck auf den stolz geschwellten Brüsten und Bäuchen veranlasste ein tschechisches Ehepaar zur Frage: „Wer war Jako Brass?“. Wissen wir auch nicht, doch das Rätselraten wurde durch die Anstrengungen der letzten Kilometer schnell beendet. Landschaftlich überaus reizvoll, vorbei an Schluchten, Höhlen und tollen Aussichten, aber halt auch mit einigen Aufs und Abs ging es hinauf zur Geierlay. Dahin war nun die Ruhe, auf den letzten zwei Kilometern traf man mehr Menschen, als an den restlichen knapp drei Tagen zusammen. Verständlich, denn oben wartete Deutschlands längste Hängeseilbrücke. 360 Meter lang schwebt sie rund 100 Meter über dem Mörsdorfer Bach und lockt das Volk aus nah und fern. Logistisch erfüllt sie keinen Zweck, sondern dient nur dazu, die ansonsten recht verschlafene Gegend touristisch etwas aufzuwerten. Umso erstaunlicher, dass es direkt an der Brücke nichts zu konsumieren gibt. Das schreit förmlich nach einer Geschäftsidee. Clever dagegen, dass motorisierte Fahrzeuge fern gehalten werden und in den knapp zwei Kilometer entfernten Ortschaften zurückbleiben müssen. Wahre Pilgerströme fallen nach dem Nervenkitzel der Talüberquerung in die gutbürgerlichen Gasthöfe der Umgebung ein und konsumieren selbst gemachte Nuss-Sahne-Torten und Bratwürste aus eigener Schlachtung. Keine Frage, dass wir uns da gerne anschlossen. Von Mörsdorf ging es mit dem Bus zurück nach Kastellaun, wo die Nachzügler Sputti und Sepp schon sehnsüchtig darauf warteten, den Abend mit uns genau so zu verbringen, wie wir es am Tag zuvor getan hatten. Essen bei Petkovics und ein paar Bier. Selbst das Wetter war identisch. Tagsüber strahlende Sonne, abends und nachts Gewitter und Dauerregen. Am folgenden Morgen grüßte aber nicht das Murmeltier, sondern die Rauchmelder machten Punkt sieben aus der Schlummerkiste einen Hexenkessel, weil unser jüngster Mitwanderer unangemessene Körperhygiene an den Tag legte und der Wasserdampf aus seiner mehrstündigen Duscheinheit zuviel für das fragile Warnsystem war. Das war der würdige Auftakt zu einem denkwürdigen Abschlusstag. Eine halbe Stunde saß man an der Haltestelle, um den Bus zum Startpunkt der letzten Etappe zu erwarten. Doch als der endlich kam, musste man ihm trotzdem hinterher rennen, weil man die falsche Straßenseite gewählt hatte. Die folgenden Verhandlungen mit dem inkompetenten Fahrer hätten eine weitere Warnung sein müssen, war ihm doch der Zielort Morshausen gänzlich unbekannt und als man endlich verspätet am Umsteigepunkt Emmelshausen angelangt war, verließ man das Transportmittel übereifrig eine Station zu früh, nur um dort nach einer Stunde vergeblichen Wartens festzustellen, dass man den Anschlussbus einen Tag vorher bis 12 Uhr im Tourismusbüro hätte bestellen müssen. Einfach so fährt der nämlich nicht. Nun war guter Rat teuer, zumal sich das einzige Taxi der gesamten Region unserem Zugriff dauerhaft entzog. Doch, oh Wunder, besagtes Tourismusbüro zeigte eine Alternativetappe zu unseren Fahrzeugen an der Schmausemühle auf und diese auch noch exakt genauso lang, wie der ohnehin geplante Weg von Morshausen zur Schmausemühle. Jetzt hätte nichts mehr schief gehen können, hätte man nicht von zwei zur Auswahl stehenden „Ausfallstraßen“ natürlich die mit dem schicksalsträchtigen Namen „Schinderhannes-Radweg“ gewählt. Das war zwar traditionsbewusst, aber falsch. Sechs stramme Geradeaus-Kilometer später auf einer stillgelegten Bahntrasse hatten wir das endlich realisiert und nach zwei weiteren Kilometern waren wir endlich auf den rechten Pfad zurückgekehrt. Weitere elf Kilometer lagen vor uns, doch die waren es wirklich wert, gelaufen zu werden. Wie schon am ersten Tag folgten wir dem Baybach-Tal und waren vom perfekten Idyll begeistert. Den Abschluss bildete die Baybach-Klamm in umgekehrter Richtung und erschöpft aber glücklich erreichten wir am frühen Nachmittag die Schmausemühle, wo wir unsere Schlussrast vor der Heimreise hielten. Statistik 2016: 65km, davon rund 10km ungeplant. 1.200 Höhenmeter. Gewichtszunahme 500g.

(Horst Hammann)

2015: Alte Herren wandern durch die Odenwald-Hölle

Vor drei Jahren in den Alpen gestartet, dann durch die Rhön (2013)  und über den Rheinsteig (2014) gewandert, nahmen sich die alten Herren des TSV 03 für das Jahr 2015 den Odenwald vor. Die zunehmende Tendenz zur Heimatnähe lässt vermuten, dass es in 2016 nur noch zu einem Grenzgang in der Gemarkung Riedstadt reichen wird. Aber noch ist es nicht soweit. Nach den positiven Erfahrungen der Vorjahre hatten wir wieder die Anreise per Bahn gewählt. Obwohl die Route Wolfskehlen-Frankfurt-Michelstadt für eine Fahrt in den Odenwald nicht eben gängig ist, zeigten sich sofort ihre Vorteile. Kletterer Michael verpasste den Zug, ließ sich nach Groß-Umstadt bringen und stieg dort ohne Zeitverlust zu. Der Rest genehmigte sich derweil ein ausgiebiges Frühstück mit reichlich Kohlehydraten, nicht ohne im Hauptbahnhof noch einmal nachzuladen. Kurz vor zehn landeten wir in Michelstadt und machten uns ohne schuldhaftes Verzögern auf den Weg. Flugs ging es auf dem Alemannenweg voran, Steinbach hatten wir trotz eines verlockenden Frühschoppens am Sportplatz schnell passiert und schon waren wir im (Oden)Wald. Dort verloren wir alsbald die Wegmarkierung mit dem roten A aus den Augen, doch da die von Routenplaner Paul ausgearbeitete Strecke gleich auf mehreren Navigationsgeräten und Apps zur Verfügung stand, machten wir uns keinen großen Kopf. Das war ein Fehler, denn just als wir an einem malerischen Forsthaus im Rahmen der ersten Verschnaufpause den Ausblick auf ein vermeintlich unbekanntes Städtchen genossen, stellten wir schnell fest, dass dieses gar nicht so unbekannt war und Michelstadt hieß. Wir waren also ein wenig im Kreis gelaufen und ein schönes Stück vom Alemannenweg entfernt. Die einheimische Bevölkerung war auch keine echte Hilfe, riet sie doch, die Tour abzubrechen und das nahegelegene Fest der Schmucker-Brauerei aufzusuchen. Durchaus verlockend, doch hätten wir uns danach noch in die Augen sehen können? Mit Hilfe von Marios kostenloser App "Komood" fanden wir auf den rechten Weg zurück und ließen uns weder vom geschlossen Biergarten in Vierstöck, noch von widersprüchlichen Entfernungsangaben zum Zwischenstopp in Beerfurth demotivieren. Der Reichelsheimer Stadtteil schien sich zum Prath des Jahres 2015 zu entwickeln, war er doch mal 4, dann 2,5 und schließlich wieder 5,3 km entfernt. Und doch waren wir auf einmal da und fanden einen Wirt vor, dem als Kind keine Zahnfee begegnet war und der sich die von uns angeforderte zweite Runde Pfungstädter erst an einer Tankstelle besorgen musste. Frisch gestärkt machten wir uns auf die letzten Kilometer hoch zum Hofgut Rodenstein, die uns alles abverlangten, aber auch die Erkenntnis brachten, dass unser Reiseleiter analog Obelix als Kind in die Buchstabensuppe gefallen sein musste. Selbst bei größter Anstrengung verließ ihn seine Rhetorik nicht. Oben wurden wir mit mehreren traumhaften Aussichten (das Bedienpersonal inbegriffen), eiskalten Getränken und leckeren Mahlzeiten für unsere Mühen belohnt. Das Wetter war in diesen Tagen sowieso außerhalb jeder Diskussion. Nach einer geruhsamen Nacht in der 300 Jahre alten Unterkunft und einem ausgiebigen Frühstück gingen wir gestärkt auf die zweite Etappe, auf der wir über die Ruine Rodenstein den höchsten Punkt der Tour, die Neunkirchner Höhe (604m) erreichten. Die geschlossene Jausenstation dort oben veranlasste uns zu einem ungeplanten Schwenk nach Neunkirchen, der mit unglaublichen Fernblicken belohnt wurde. Im Luftkurort selbst war der viel gepriesene  Ortsbrunnen von einem übereifrigen Autofahrer abrasiert worden und damit als Trinkwasserquelle unbrauchbar. So sahen wir uns erneut gezwungen, in einer der vier umliegenden Gastwirtschaften einzukehren, um die verbrauchten Elektrolyte zu ersetzen, denn es folgte das härteste Teilstück der Tour. Vor Brandau endete das schützende Blätterdach des Waldes und wir lernten die unbarmherzige Hitze der Odenwaldhölle kennen. Gut, dass in Beedenkirchen der Biebesheimer Erfolgstrainer zu uns stieß und den einen oder anderen mit seiner Kühltasche vor der Austrocknung bewahrte. Nun war es nicht mehr weit bis zum zweiten Etappenziel und über die Felsenmeerbrücke erreichten wir am späten Nachmittag das Waldgasthaus am Borstein, ein ehemaliges Naturfreundehaus, das jetzt privat bewirtschaftet wird. Wie schon am Vortag erfreuten wir uns an einer grandiosen Landschaft und einer ausgezeichneten Küche, deren abholbereite Produkte vom rustikalen aber liebenswerten Wirt über Lautsprecher angekündigt wurden. Dazu tranken wir das Bier des Jahres 2012, Maxlrainer, das erstaunlicherweise in Tuntenhausen gebraut wird, was aber dem Genuss keinen Abbruch tat. Auf der Wiese vor dem Haus hätten wir an diesem grandiosen Sommerabend wohl noch tagelang sitzen können, doch die Aufforderung zur "Last order" über den Ortsfunk kam bereits um 22:00 Uhr und so gingen wir zeitig zu Bett. Am Morgen ließen wir beim Frühstück einen Landregen passieren und machten uns dann auf den Heimweg. Der führte uns über das Fürstenlager und den Weinlagenweg zur letzten Nahrungsaufnahme nach Zwingenberg und schließlich nach Alsbach. Von dort gelangten wir per Straßenbahn und Bus nach Hause und zur Erkenntnis, dass man für einen entspannten Kurzurlaub ohne Fernseher und Internet nicht unbedingt in die Ferne schweifen muss. Vielen Dank für die einmal mehr perfekte Organisation an Paul Bahl.

Abschlussbilanz: knapp 62 Kilometer zu Fuß und 1.340 Höhenmeter. Beste Wanderapp: komoot.

Teilnehmer: Paul Bahl, Mario Barac, Artur Bopp, Mark Breitwieser, Paul-Ludwig Ewald, Horst Hammann, Michael Jäger, Michael Klett, Jürgen Maier, Manfred Schäfer, Michael Schaffner, Andreas Walz

(Horst Hammann)

2014: AH-Wanderung Vol. 3 - Der Rheinsteig

Auch in diesem Jahr widerstanden einige Altherrenkicker des TSV der Verlockung, am Vatertag der EDC-Gedächtnisrunde Sportplatz-Miehl-Hinkel-Eva zu folgen. Trotz der Strapazen im Tannheimer Tal (2012) und in der Rhön (2013) fanden sich zehn Wandersmänner, um dem Müßiggang zu entsagen und die weite Welt zu erkunden. In diesem Jahr hatte das Schicksal Paul Jakob Bahl zum Organisatoren gemacht, der sich seinen Beinamen auf den Spuren Hape Kerkelings erworben hatte und damit für diese Aufgabe prädestiniert schien. Erwählt hatte er natürlich ein Teilstück eines deutschen Jakobswegs und  hört, hört  Unesco-Welterbe. Das Mittelrheintal zwischen Braubach und Kaub war das Ziel der auferlegten Selbstkasteiung. Drei Etappen des 320 km langen Rheinsteigs sollten es sein, der im Jahr 2005 mit viel Aufwand von einem weithin unbekannten Trampelpfad zu Deutschlands liebster Wanderstrecke befördert worden war. Nach kurzer Anreise per Kraftfahrzeug, einem Frühstück, das auch deshalb so ausgiebig war, weil jeder den mitgebrachten üppigen Proviant aus seinem Rucksack loswerden wollte und der anschließenden Weiterfahrt per Bahn nach Braubach, ging es endlich los. Gemäß der Wegbeschreibung sollte diese erste Etappe nach Kamp-Bornhofen dem Einlaufen dienen, doch als nach 2 Stunden gerade einmal gut 6 Kilometer auf schwierigem Geläuf absolviert waren, schwante dem einen oder anderen Übles. Just zur rechten Zeit traf man mitten im Wald auf einen Arbeitskollegen Marks, der nicht nur für jeden vier hinreichend gekühlte Elektrolytgetränke mitgebracht hatte, sondern auch noch einen Satz heißer Würste. Bald war die etwas angeknackste Moral wieder hergestellt und die Gefährten flogen fortan nur so dahin. Der Motivationsschub hätte fast bis nach Bornhofen gereicht, doch der bergab geführte, gleichwohl anspruchsvolle Schlussabschnitt ließ die Tanknadel wieder in den roten Bereich wandern. Erschöpft, aber glücklich erreichte man gegen Abend die Pilgerherberge Zum Schläächtschwätzer, deren rhetorisch gewandter Wirt als Reputation zahlreiche Bilder mit katholischen Würdenträgern vorweisen konnte und ein großer Fan von Conchita Wurst zu sein schien. Oder hatten wir da etwas verwechselt? Als Schlummertrunk in diesem Wallfahrtsort wurde stilgerecht Andechs vom Fass auserkoren und die akribische Vorbereitung auf die am folgenden Tag anberaumte Königsetappe setzte fast erwartungsgemäß frühzeitig ein. Als Motto für den zweiten Tag hatte unser Reiseleiter die Suche nach dem Ort Prath ausgerufen, der als Stammsitz unseres Spielleiters Mark Prathwieser gilt und neben den dort hergestellten Würsten und Heringen eine große Verheißung bieten sollte: Abkürzungen in alle Himmelsrichtungen. Nun, um es kurz zu machen, der Weg war das Ziel. Prath blieb ein Mysterium wie Atlantis, es ist wohl ebenfalls versunken, obwohl tausende Wegweiser auf seine Existenz hinwiesen. Die vergebliche Suche wurde uns durch perfekt platzierte Verpflegungsstellen wie Die Oasein Lykershausen (Weizenbier unter 2 Euro) oder den Saustall (Gaststätte Germania) in Wellmich, traumhafte Ausblicke auf den Rhein und unzählige Burgen sowie durch die grandiose Landschaft versüßt. Nach einem Nachmittagskaffee am Rhein bei St. Goarshausen machte man sich an der Burg Katz vorbei auf den Anstieg zum Stadtteil Heide nahe der Loreley, dem zur Geisterstadt nur die ominösen, vom Wind getriebenen Gebüsche aus den Western fehlten. Erst zwei Auto waschende Rentner jenseits der Hundert, offensichtlich die einzigen Bewohner, und fünf im Biergarten unserer Pension Christian zechende Belgier überzeugten uns davon, dass Heide nicht nur als Filmkulisse dient. Gleichwohl speisten wir dort opulent und ruhten vorzüglich. Mit einigen Tränen der Loreley, die nicht unbedingt geweint hätten werden müssen, beschloss man einen rundum gelungenen Tag. Doch das Highlight folgte nach einem leckeren Frühstück: der perfekte Wandertag. Die Strecke von Heide über die Loreley nach Kaub entpuppte sich bei strahlendem Sonnenschein als sehr abwechslungsreich und bot atemberaubende Ausblicke auf den Rhein und die gegenüberliegenden Ortschaften. Nachdem man den sehr anspruchsvollen Abstieg in das Urbachtal mit geringen personellen Verlusten und überschaubaren Kollateralschäden bewältigt hatte und wieder nach Dörscheid hinaufgestiegen war, legte man eine letzte Pause ein. Danach ging es hinab nach Kaub, wo man ein Wanderwochenende beschloss, wie es schöner kaum hätte sein können. Abschlussbilanz: 62 Kilometer zu Fuß (18/28/16) und knapp 2.000 Höhenmeter.(Horst Hammann)

2013: AH on tour - Tage der Einkehr

Nach dem durchschlagenden Erfolg des letzten Jahres machte sich auch in diesem Jahr wieder eine Abordnung der Alten Herren auf, die Welt auf Schusters Rappen zu erobern. Ziel in diesem Jahr: das Franziskaner-Kloster Kreuzberg in der Bayerischen Rhön. Leider mussten wir dabei aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht nur auf den Superhelden und Pasch(a) des Vorjahres, sondern auch auf die beiden liebgewonnenen Sherpas verzichten. Nichtsdestotrotz formierte sich eine schlagkräftige Elf plus Auswechselspieler, die am Vatertag die beschwerliche Anreise per Bahn ins beschauliche Gersfeld in Angriff nahm. Vollgetankt und gut gelaunt kamen wir zur Mittagsstunde pünktlich dort an. Nun galt es, die beschwerliche, lange Wegstrecke zum Kloster Kreuzberg in Angriff zu nehmen. Bald schon zeigte sich das erste Highlight am Horizont: das Dorf Sparbrod, Gerüchten zufolge dereinst Stammsitz einer Wolfskehler Bäckerdynastie. Die Gefährten konnten angesichts eines drohenden Unwetters kaum einen Blick auf die historische Stätte verschwenden, sogen im Vorbeigehen nur gierig die verlockenden Düfte von Hähnchen-Paula ein, überwanden den ersten Gipfel und glichen dann in einer Dorfschänke zu Oberweißenbrunn den angegriffenen Elektrolythaushalt wieder aus. Der ausgedehnte Boxenstopp rächte sich prompt, denn auf dem folgenden Anstieg zum Arnsberg musste sich die gesamte Mannschaft durch unversehens herannahende himmlische Wasserspiele einem ausgiebigen Materialtest unterziehen. Der gestaltete sich überwiegend erfolgreich, wie auch unser Spielmacher erkannte, aus dessen Rucksack der eingedrungene Regen partout nicht mehr entweichen wollte. Nun, offensichtlich hatte unser Herrgott doch nicht darüber hinwegsehen können, dass wir uns die Unterkunft im Kloster durch Vorspiegelung einer Pilgerfahrt erschlichen hatten. Nachdem wir auch noch das Wettrennen um den einzigen Unterstand weit und breit gegen eine Meistertruppe aus der Nähe von Fulda verloren hatten, machten wir uns reuevoll an den letzten beschwerlichen Aufstieg zum Kloster. Dort kamen wir rechtzeitig zur Armenspeisung an. Bedürftige musste es in der Umgebung viele geben, denn mehrere hundert ausgemergelte Gestalten, zum Teil mit abenteuerlichen Vehikeln angereist, bevölkerten den Innenhof und labten sich an Speisen und Getränken, die neun Mönche nahezu zum Selbstkostenpreis feilboten. Die beschwerliche Anreise erwies sich nun als Vorteil. Das armselige Erscheinungsbild unserer Gruppe erregte offensichtlich Mitleid, denn man ließ uns umgehend an dem Gelage teilhaben und bedachte uns mit den Hauptnahrungsmitteln der Region, Klosterbier im Maßkrug und gegrillten Schweinshaxen. Man erklärte uns zu Hausgästen und wir durften eine Stunde länger als das nichtsesshafte Gesindel dem vorzüglichen Gesöff frönen, doch Punkt zehn trieben uns die frommen Brüder in unsere Schlafkammern. Nun war jedem klar: Kreuzberger Nächte sind lang, denn die nächste Vesper war erst für 8 Uhr am nächsten Morgen anberaumt. Frisch wie der junge Tag erwachten wir und schickten uns an, Buße für die Verfehlungen des Vortages, nämlich Glücksspiel, Alkoholkonsum und allzu fette Mahlzeiten zu tun. Ein langer steiniger Weg zur Kissinger Hütte folgte. Die Sonne brannte unbarmherzig und auf dem erklommenen Gipfel lockte man uns mit neuen Versuchungen. Wir blieben standhaft und beschränkten uns auf den Konsum des Armengebräus. Unser Ältestenrat widerstand dem Genuss der feilgeboten Schweinskopfsülze ebenso, wie der Maiersepp dem Eiersepp, einem wahrhaft teuflisch anmutenden Gesöff. Alsbald ging es bergab nach Langenleiten und wieder hinan Richtung Kreuzberg. Erneut schien es, als wollte man uns den Rückweg verleiden. Hinweisschilder zeigten in alle vier Himmelsrichtungen Richtung Kloster, die angezeigten Wegstrecken unterschieden sich um Welten. Endgültig kamen wir zu dem Ergebnis: die spinnen, die Rhöner. Doch irgendwann war allen Widrigkeiten zum Trotz der Aufstieg geschafft und der Buße genug getan. Eine kleine Abordnung schickte man noch zum Außenposten Neustädter Haus, um dort den fabelhaften Ausblick zu genießen. Auf eine Tour durch den benachbarten Hochseilgarten verzichtete man aber angesichts der offensichtlichen körperlichen Unzulänglichkeiten. Der zweite Abend glich im Ablauf dem ersten und am nächsten Tag schon machte man sich ausgeruht auf die Heimreise. Nur eine kleine Vierergruppe pilgerte noch zu Fuß zurück nach Gersfeld, der Rest nutzte die dargebotenen Droschken trotz ihrer abschreckenden Kutscher. Im Zug zollte man überwiegend den zurückliegenden Strapazen schlafend Tribut, nur die erfahrenen Jakobswegpilger ließen sich nichts anmerken und plauderten vergnügt dahin. Pünktlich in Wolfskehlen zurück stand fest: auf ein Neues im nächsten Jahr. Schee wars. Bilanz: 45 Kilometer Wegstrecke mit 1.800 Höhenmetern bei einem Durchschnittsverbrauch von 3,5 Litern Super und 2 Litern Kühlwasser pro Tag. (Horst Hammann)

2012: Wandertag - alpine Genüsse

Wer hätte das gedacht: aus einer Bierlaune heraus hatte eine kleine Gruppe der Alten Herren im Winter die Idee geboren, die Tradition der Vorväter, auf Wanderschaft zu gehen, wieder aufleben zu lassen. Voraussetzungen: drei Tage sollten es schon werden und hügelig sollte es auch sein. Da ein gutes Vierteljahr nicht unbedingt als ausreichend lange Vorbereitungszeit für einen mehrtägigen Trip in die Ferne gilt, griff Organisator Jürgen Maier auf Bewährtes zurück und erinnerte sich einer Route, die die Jugendtrainer Horst Hammann und Michael Klett mit ihren B-Junioren anno 2008 im Tannheimer Tal gegangen waren. Die verschlungenen Pfade, auf denen die Gruppe damals gewandelt war, wurden flugs rekonstruiert und weil man die tatsächliche Herkunft geschickt verschleierte, war die Buchung der zur Übernachtung auserwählten Hütten auch kein Problem. Nun galt es noch eine schlagkräftige Truppe zusammen zu stellen. Neben Cheforganisator Maier musste und wollte AH-Spielbetriebsleiter Mark Breitwieser kraft Amtes mit. Als Kerntruppe kristallisierten sich die in zahllosen helvetischen Abenteuerurlauben gestählten Artur Bopp, Horst Hammann, Mike Jäger und Hennes Wüstling heraus, als Sherpas nahm man die in der Zielregion bewanderten Michael Klett und Frank Wenner hinzu und als Sahnehäubchen konnte man den mehrfachen Jakobsweg-Bezwinger Paul Bahl gewinnen. Auch wenn der erstmal überzeugt werden musste, dass die geplante Route durchaus die Odenwälder Höhenmaße sprengen würde. Mit teilweise in letzter Sekunde erworbenen und bepacktenAusrüstungsgegenständen machte man sich schließlich bei strahlendem Sonnenschein an Fronleichnam auf den Weg und erreichte den Ausgangspunkt der Tour, Grän im Tannheimer Tal (1.138m), auch planmäßig. Schnell noch ein erstes motivierendes Kaltgetränk eingenommen und schon ging es aufwärts. Die zuvor freudig begrüßte Witterung mit Temperaturen nahe an der 30 Grad-Grenze erwies sich zwar schnell als Plage und der vorsorglich eingenommene Elektrolyt-Vorrat als bei weitem nicht ausreichend. Doch die tolle Landschaft und die Begegnungen mit zahllosen motivierenden Wanderfreunden, die allerdings fast ausnahmslos die Gegenrichtung (bergab) gewählt hatten, ließen bald ein Hochgefühl in den Gefährten aufkommen, das vom atemberaubenden Rundumblick am Zielort Bad Kissinger Hütte (1.793m) noch getoppt wurde. Und das beste daran: man konnte die herrliche Sicht sogar bequem im Sitzen auf der strategisch günstig gelegenen Terrasse vor der Unterkunft genießen und dabei den Flüssigkeitshaushalt wieder auf das gewohnte Niveau bringen. Der Abend brachte viel Spaß mit einem spontan entwickelten EM-Quiz, das bald auch andere Hüttenbewohner integrierte und die Nacht im perfekt auf die Wolfskehler Truppe zugeschnittenen Matrazenlager verlief trotz diverser natürlicher Störgeräusche harmonisch. Der nächste Tag sah eine dreistündige Wanderung über das Füssener Jöchle (1.821m) zur Otto-Mayr-Hütte (1.520m) vor, die mit unserem Organisator weder verwandt, noch verschwägert ist. Der Himmel hatte sich bewölkt, doch die Erinnerung der ehemaligen Jugendtrainer versprach einen nahezu ebenen Weg zum Jöchle mit anschließendem Gefälle zur Hütte, der problemlos zu bewältigen sein sollte. Nun, die Alpen scheinen sich noch immer aufzufalten, denn nachdem es zunächst rund 300 Höhenmeter nach unten gegangen war, galt es anschließend wieder etwas mehr nach oben zu steigen und dabei auch einige Restschneefelder zu überqueren. Der guten Laune tat das keinen Abbruch und man erreichte nach gut zwei Stunden die Gondelstation am Füssener Jöchle, wo einer der Gefährten die Abwesenheit seiner Wanderjacke bemerkte. Ein Kollege, dessen Nachname an ein Wintersportgerät erinnert, hatte sie wohl etwas liederlich am Rucksack befestigt, was ihren Abgang erleichterte. Hätte der Geschädigte doch besser einen der nach ihm benannten Verschlüsse verwendet. So musste er sich noch einmal auf den Weg zur Kissinger Hütte machen, um dort seine Bekleidung tatsächlich wiederzufinden. Anschließend eilte er in Rekordzeit zum Jöchle zurück, wo ihn nicht nur ein Teil der Kameraden erwartete, sondern überraschend auch eine Abordnung der Goddelauer Alten Herren, die sich ohne unser Wissen , aber durchaus zu unserer Freude ebenfalls in der Gegend aufhielten. Eine spontane Wiedersehensfeier war die Folge. Die Wolfskehler Fünfergruppe, die sich zur Vorbereitung des Nachtlagers vorab auf den Weg zur Otto-Mayr-Hütte gemacht hatte, ahnte nichts von diesen Ausschweifungen, übte sich stattdessen angesichts eines vorüberziehenden Hagelsturms sogar in Sorge. Doch als die fröhlichen Nachzügler im Verlauf des Nachmittags trocken und wohlbehalten sowie mit vollständiger Bekleidung an der Mayr-Hütte eintrafen, war die Harmonie schnell wiederhergestellt. Interieur und Verpflegung in dieser Unterkunft waren vorzüglich und nach einem mehrgängigen Abendmenue ließ man den Tag mit einem interessanten Würfelspiel ausklingen, das nicht nur die gesamte Behausung belustigte, sondern auch diverse neue Wortschöpfungen hervorbrachte. Der nächste Tag sah schon die Heimreise vor und weil der Wetterbericht nichts Gutes prophezeite, entschied man sich, die vorgesehene Tour abzukürzen und nach einstündiger Wanderung im Regen per Gondel ins Tal zu schweben. Zuvor bastelte man aus einer übergroßen Schutzhülle und einem technischen Direktor noch einen Weltretter, den "Batwieser". Im Tal bemerkte man beiläufig, dass auch Regen und Hagel durch ein offenes Schiebedach dem Innenraum eines Autos aus deutscher Wertarbeit nichts anhaben können. Auf dem Weg nach Hause verarbeitete man die vielfältigen Eindrücke der drei tollen Tage und war sich sicher: das müssen wir unbedingt bald wieder machen. (Horst Hammann)

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